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Eine neue Studie zeigt, dass mehr als fünf Millionen Babyboomer im Ruhestand in Armut rutschen könnten. Schuld sind vor allem hohe Mieten.
München – Die Zahlen sind alarmierend: Rund 5,1 Millionen Menschen der Babyboomer-Generation – also der Jahrgänge 1960 bis 1969 – werden im Alter weniger als 800 Euro monatlich aus der gesetzlichen Rente erhalten. Das geht aus einer Berechnung des Pestel-Instituts hervor, die im Auftrag der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) erstellt wurde. Das entspricht rund 40 Prozent aller Babyboomer, die in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen werden – insgesamt etwa 12,9 Millionen Menschen.
„Mit so einer Niedrigrente werden viele Betroffene dauerhaft auf Hilfe vom Staat angewiesen sein. Spätestens die Miete drängt einen Großteil der Baby-Boomer dann in die Wohnarmut. Die Schere zwischen der Rente und steigenden Wohnkosten – also Miete, Heiz- und Nebenkosten – wird für die kommende Rentnergeneration immer weiter auseinandergehen“, warnte IG-Bau-Chef Robert Feiger in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Auch in der Bevölkerung herrscht Skepsis: Laut einer Civey-Umfrage im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD), die der Bild am Sonntag vorlag, glauben 82 Prozent der Befragten nicht daran, dass ihre gesetzliche Rente ausreichen wird, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern.
Wohnen in der Rente wird zum Problem: Ein Bundesland besonders betroffen
In absoluten Zahlen ist Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland am stärksten betroffen: Laut der Pestel-Berechnung könnten dort weit mehr als eine Million Babyboomer in Wohnarmut abrutschen. Doch das Problem ist bundesweit spürbar. In Großstädten wie Hamburg seien Senioren bereits heute gezwungen, ihre Wohnorte zu verlassen. Das Hauptproblem sind die hohen Mieten, die sich viele Senioren nicht mehr leisten können.
Schon heute leben laut dem Pestel-Institut mehr als 760.000 Menschen im Rentenalter von Grundsicherung. Das entspricht einem Anteil von rund 4,3 Prozent aller Rentner. Vor 15 Jahren waren es noch 2,5 Prozent. „Angesichts der Zahlen gehe ich davon aus, dass sich in zehn Jahren rund sieben Prozent der Rentner in der Grundsicherung befinden könnten“, sagte der Ökonom und Geschäftsführer des Pestel-Instituts, Matthias Günther, bei der Rheinischen Post.
IG Bau fordert Neubau und Rentenreform
Um das zu verhindern, müsste mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, fordert die IG Bau. „In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen. Die Mieten steigen weiter. Und auch jetzt, nachdem die neue Bundesregierung ein Jahr im Amt ist, ist vom versprochenen ‚Bauen, bauen, bauen‘ wenig zu spüren“, sagte Feiger. Bezahlbares Wohnen sei die „soziale Frage Nummer 1“. Darüber hinaus sprach sich Feiger für eine Umverteilung im Rentensystem aus: Die Rente müsse im unteren Bereich steigen, hohe Renten könnten im Gegenzug sinken.

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