Deutsches Dorf erlebt die heißeste Nacht, die je nördlich des 50. Breitengrads gemessen wurde
Die Nacht sollte Abkühlung bringen, stattdessen schrieb ein kleiner Ort in Sachsen möglicherweise Klimageschichte in globalem Ausmaß.
Wenn der Sommer seine Grenzen testet, tut er das meist tagsüber mit gleißender Sonne und Asphalt, der weich wird unter den Füßen. Doch in diesem Jahr war es ausgerechnet die Nacht, die alle Maßstäbe sprengte. Eine einzige Messstation in Sachsen hat eine Zahl geliefert, die man sonst nur aus den heißesten Regionen der Welt kennt. Und damit möglicherweise sogar einen neuen Weltrekord.
In der Nacht zum Sonntag sank in Kubschütz im sächsischen Landkreis Bautzen das Thermometer zu keiner Stunde unter 29,4 Grad Celsius. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigte laut t-online auf Basis vorläufiger Daten. Es war die heißeste Nacht, die je in Deutschland gemessen wurde. Der bisherige Rekord stammte aus dem August 2003, damals zeigte das Thermometer auf dem 554 Meter hohen Weinbiet in der Pfalz 27,2 Grad als Tiefstwert. Aber es könnte nicht nur der deutsche Rekord gebrochen worden sein.
„Föhn-Effekt“ zum Rekord: Was hinter den extremen Werten steckt
Der nationale Rekord ist womöglich nur die halbe Geschichte. Der auf der Plattform X aktive Account „Extreme Temperatures Around The World“ erklärte, es könnte sich um die heißeste Nacht handeln, die nördlich des 50. Breitengrads je weltweit festgestellt wurde. Dieser Breitengrad teilt Deutschland ungefähr auf Höhe der Mainlinie. Diplom-Meteorologe Dominik Jung bestätigte gegenüber t-online, der Account sei „eine in der Fachwelt bekannte und viel beachtete Quelle für Temperaturextreme.“
Für solche Tiefstwerte nördlich der Mainlinie fehle normalerweise die nötige subtropische Grundwärme, erklärte Jung: „Das sind Verhältnisse, die man sonst eher von der arabischen Halbinsel kennt.“ Für Mitteleuropa sei ein solcher Wert „absolut außergewöhnlich“. Einen Teil der Erklärung liefert die Lage von Kubschütz: Die Mittelgebirgslage in der Oberlausitz begünstigte föhnige Effekte durch südliche Winde auf der Nordseite der Hänge.
Der DWD habe selbst auf diesen Föhn-Effekt hingewiesen, so Jung weiter. Seine Einschätzung fällt entsprechend nüchtern aus: „Es handelt sich um einen lokalen, durch Föhn verstärkten Extremwert an einer einzelnen Station.“ Eine offizielle weltweite Einordnung steht noch aus. Eine DWD-Meteorologin erklärte t-online, dafür sei „eine systematische Auswertung und Validierung internationaler Messdaten sowie die Prüfung der Vergleichbarkeit der Messungen“ erforderlich, und das benötige Zeit. Auch wichtig: Eine Einwanderin erklärt, warum die Hitze in Deutschland teils unerträglicher ist als 45 °C in Indien.
