Der Griff ins Süßwarenregal gehört für viele Menschen zur festen Einkaufsroutine. Bei den quadratischen Tafeln von Ritter Sport fällt Kunden in den Supermärkten derzeit jedoch eine auffällige Veränderung ins Auge. In der linken oberen Ecke der bunten Folien klebt bei zahlreichen Sorten plötzlich ein schlichter Aufkleber. Er verdeckt ausgerechnet die Stelle, an der bislang eine Werbebotschaft mit einem Versprechen des Herstellers stand.
Ritter Sport überklebt damit sein zentrales Umweltversprechen auf der Verpackung: den Satz „100 % zertifiziert nachhaltiger Kakaobezug“. Diese Garantie der vollständigen Nachhaltigkeit wird nun plötzlich überklebt mit einem Aufkleber, auf dem nur noch „ohne Zusatz von Aromen“ steht.
Als einen der Gründe nennt das Unternehmen die neue EU-Verbraucherschutzrichtlinie EmpCo. Sie soll Begriffe wie „nachhaltig“ oder „ökologisch“ auf Verpackungen künftig nur noch dann erlauben, wenn sie lückenlos belegt sind, als ein Instrument gegen sogenanntes Greenwashing, also irreführende Umweltwerbung.
EU-Richtlinie gegen Greenwashing bringt Sticker auf Schokofolie
Statt die Werbebotschaft aufwendig auf allen gedruckten Folien zu ändern, greift Ritter Sport pragmatisch zur Kleberolle. Gegenüber t-online erklärte das Unternehmen, man wolle die Übergangsphase so steuern, dass bereits produzierte Verpackungsfolien nicht ungenutzt vernichtet werden müssen. Der Rohstoffeinkauf bleibe weiterhin zertifiziert, betonte der Hersteller. Aromen seien in den meisten Sorten ohnehin seit Langem nicht mehr enthalten.
Auf Nachfrage von IPPEN.MEDIA bestätigt Ritter-Sport-Sprecherin Elke Dietrich, dass die Anpassung eine direkte Reaktion auf die neue EU-Verbraucherschutzrichtlinie EmpCo ist. Dabei betont sie, dass beide Aussagen [Nachhaltigkeit und Aromen] „weder neu sind noch sich in den letzten Jahren geändert haben“. Den Vorwurf, plötzlich weniger nachhaltig zu produzieren, weist der Schokoladenhersteller zurück: Man beziehe nach eigenen Angaben weiterhin ausschließlich zertifizierten Kakao, Aromen seien in den meisten Sorten ohnehin seit Langem nicht enthalten. Ritter Sport geriet bereits früher wegen abweichender Gewichtsangaben in den Fokus von Konsumentenschützern.
- Bei der Sorte „Kakao-Klasse“ steckten nur 75 Gramm Schokolade in einer Verpackung, die von außen kaum kleiner wirkte als die gewohnte 100-Gramm-Tafel.
- Die Verbraucherzentrale Hamburg sprach von einer Mogelpackung.
Ritter Sport verwies auf teurere Edelkakaosorten. Dass auf manchen Tafeln heute ein Sticker mit „100 g“ klebt, wirkt vor diesem Hintergrund wie eine späte Antwort auf die damalige Kritik.
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Neben der Füllmenge sorgt die Preisgestaltung für Unmut. Die veganen Sorten kosten mit rund 1,99 bis 2,19 Euro deutlich mehr als die klassischen Tafeln. Ritter Sport verweist auch hier auf teurere Zutaten wie Mandelpaste sowie aufwendigere Produktionsbedingungen, unter anderem um Kreuzkontaminationen mit Milch zu vermeiden. Das überzeugt viele Verbraucher in den sozialen Medien nicht. Viele beschweren sich beispielsweise auf Reddit oder X, dass die veganen Varianten fast immer von Rabattaktionen ausgenommen seien. Auch bei vielen anderen Produkten und Marken im Supermarkt, sollten Sie Mogelpackungen erkennen.