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Biontech schließt drei deutsche Werke – 1.800 Jobs fallen weg. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ist empört: Ein Versprechen wurde gebrochen.
Tübingen – Monatelang hoffte Tübingen auf einen Käufer. Jetzt ist klar: Biontech schließt den ehemaligen Curevac-Standort in der Universitätsstadt – und mit ihm zwei weitere Werke in Deutschland. Rund 1.800 Beschäftigte verlieren ihre Stellen, mehr als 700 davon allein in Tübingen. Biontech hatte seit Anfang Mai intensiv nach Käufern für drei seiner Produktionsstandorte gesucht: Tübingen, Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) und Marburg (Hessen).
Trotz eines breit angelegten Verkaufsprozesses fand sich kein Investor – das schwierige Markt- und Investitionsumfeld machte alle Hoffnungen zunichte, wie das Unternehmen erklärte. Tübingen soll Ende 2027 schließen, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028. Am Montag informierte Biontech seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem sogenannten Townhall Meeting über das endgültige Aus. Mit dem Konzernbetriebsrat wurden laut Biontech-Mitteilung ergänzende Abfindungskonditionen vereinbart – Details nannte das Unternehmen zunächst nicht.
Politiker enttäuscht von Biontech-Schließung – „Das geht nicht“
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) macht keinen Hehl aus seiner Empörung. Er erinnert daran, dass Biontech Curevac erst Ende 2025 für rund 1,25 Milliarden US-Dollar übernommen und dabei ausdrücklich die Weiterführung des Tübinger Standorts versprochen hatte. Sein Urteil fällt scharf aus: „CureVac erst kaufen wegen der Patente und die Mitarbeiter vor die Tür setzen, das geht nicht.“
Für Tübingen stehe laut des Oberbürgermeisters mehr auf dem Spiel als einzelne Jobs: Es gehe um einen über Jahrzehnte gewachsenen Biotechnologie-Standort. Palmer fordert von Biontech, alle realistischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Und er warnt vor einer gefährlichen Lücke in der deutschen Gesundheitsversorgung: „Es ist falsch, dass die Pandemieversorgung komplett eingestellt wird und in Deutschland keinerlei RNA-Produktion mehr übrig bleibt, wenn auch der Standort Tübingen geschlossen wird.“
